Im Mietvertrag der Beklagten vom August 2006 über eine Wohnung in Bonn wurde in § 1 zum Mietgegenstand angegeben, dass eine Wohnung im Erd-, Unter- und Zwischengeschoss mit einer Größe von ca. 180qm vermietet werde. Anlässlich einer Mieterhöhung in 2010 legte der Rechtsvorgänger der Klägerin als Vermieter eine Wohnfläche von 177qm zugrunde. Im Rahmen der aktuell geltend gemachten Mieterhöhung legte die Klägerin auch 177qm Wohnfläche zugrunde und ferner Betriebskosten geltend gemacht und machte diesen Anspruch klageweise geltend. Die Beklagten erhoben mit der Behauptung, die Wohnfläche betrage nur 144,50qm Widerklage auf Rückzahlung von nach ihrer Ansicht dadurch bedingter Zuvielzahlung in Höhe von € 47.493,50 mit der Begründung, es liege ein Mangel der Mietsache vor..
Das Amtsgericht hat der Klage zu den Betriebskosten teilweise stattgegeben, ansonsten Klage und Widerklage abgewiesen. Das Landgericht hat die Berufung beider Parteien zurückgewiesen. Im Rahmen der zugelassenen Revision verfolgen die Beklagten ihren Widerklageantrag weiter.
Ein Rückzahlungsanspruch der Beklagten nach § 812 Abs. 1 S. 1 Alt. 1 BGB wegen überzahlter Miete bestünde nicht. Die Zahlungen seien von den beklagten mit Rechtsgrund erfolgt, da ein von ihnen angenommener Mangel einer zu geringen Wohnfläche (die zur Mietminderung führen würde) nicht bestünde.
Die Wohnflächenangabe im Mietvertrag sei keine unverbindliche Beschreibung, sondern als Beschaffenheitsvereinbarung anzusehen mit der Folge, dass eine Abweichung von mehr als 10% einen Mangel der Mietsache darstelle (BGH, Urteil vom 24.03.2004 - VIII ZR 295/03 -). Dabei käme es nicht darauf an, ob die Wohnfläche (wie hier) mit „circa“ angegeben sei (BGH, Urteil vom 17.04.2019 - VIII ZR 33/18 -).
Der Begriff der Wohnfläche sei aber auslegungsbedürftig. Eine verbindliche Regelung zur Berechnung von Flächen bei preisfreiem Wohnraum fehle. Grundsätzlich könnten auch bei frei finanzierten Wohnraum (mangels anderweitiger Vereinbarung und mangels einer anderen ortsüblichen oder naheliegenden Berechnungsmethode) die für den preisgebundenen Wohnraum geltenden Bestimmungen herangezogen werden.
Danach sei ein Rechtfehler bei der Entscheidung des Landgerichts nicht zu erkennen. Dieses habe auch das Untergeschoss berücksichtigen dürfen. Der Umstand, dass dieser nach Behauptung der Beklagten wegen unterdurchschnittlicher Beleuchtung wegen der daraus folgenden eingeschränkten Nutzbarkeit nicht als Wohnraum genehmigungsfähig sei, würden die Beklagten verkennen, dass die öffentlich-rechtliche Nutzungsbeschränkung mangels Einschreitens der Behörde keine Mietminderung begründen könne (BGH, Urteil vom 16.09.20ß9 - VIII ZR 275/08 -). Es sei den Parteien unbenommen, Flächen als Wohnfläche zu vereinbaren, die nach der II. BVO oder der Wohnflächenverordnung an sich nicht oder nicht vollständig berücksichtigungsfähig seien.
Der Umstand, dass die Wohnfläche im Rahmen der Mieterhöhung anders behandelt würde als im Rahmen der Mietminderung wegen behaupteter Mängel, sei auch nicht widersprüchlich. Es sei der Unterschied zwischen einem Sachmangel, bei dem es für die Frage des Vorliegens eines solchen auf die Vereinbarung der Mietvertragsparteien über die Wohnfläche ankäme, und einer Mieterhöhung nach dem Vergleichsmietverfahren (§ 558 BGB) zu beachten. Die Beschaffenheitsvereinbarung der Parteien enthalte die Regelung, welche Flächen in die Wohnfläche einzubeziehen seien, während bei dem Mieterhöhungsbegehren nur die objektiv festgestellten Flächen einbezogen werden dürfen und eine davon abweichende Vereinbarung in diesem Fall unwirksam wäre, § 558 Abs. 6 BGB (vgl. auch BGH, Urteile vom 18.11.2015 - VIII ZR 266/14 - und vom 27.02.2019 - VIII ZR 255/17 -).
BGH, Beschluss vom
22.06.2021 - VIII ZR 26/20 -
Aus den Gründen:
Tenor
Der Senat
beabsichtigt, die Revision der Beklagten durch einstimmigen Beschluss gemäß
§ 552a ZPO zurückzuweisen.
Gründe
I.
Die Beklagten
mieteten vom Rechtsvorgänger der Klägerin mit Vertrag vom 30. August 2006 eine
Wohnung in Bonn. In § 1 des Mietvertrags heißt es, dass die Wohnung im
"Erd- und Unter- und Zwischengeschoss" vermietet werde, deren Größe
"ca. 180 qm" betrage. Bei einer im Jahr 2010 begehrten Mieterhöhung
legte der Rechtsvorgänger der Klägerin eine Wohnfläche von 177 qm zugrunde. Die
von den Beklagten gezahlte Nettomiete belief sich seither auf 1.570,75 €.
Im vorliegenden
Rechtsstreit hat die Klägerin die Beklagten - wiederum auf der Grundlage einer
Wohnfläche von 177 qm - auf Zustimmung zu einer Mieterhöhung auf monatlich
1.806,37 € sowie auf Nachzahlung von Betriebskosten in Anspruch genommen. Im
Wege der Widerklage haben die Beklagten die Erstattung erbrachter Mietzahlungen
in Höhe von insgesamt 47.493,50 € begehrt und diese Forderung darauf gestützt,
dass die tatsächliche Wohnfläche lediglich 144,50 qm betrage und aufgrund des
in dieser erheblichen Abweichung liegenden Mangels die Miete entsprechend
gemindert gewesen sei.
Das Amtsgericht
hat der Klage bezüglich eines Teils der Betriebskostennachforderung stattgegeben
und im Übrigen die Klage und die Widerklage abgewiesen. Das Berufungsgericht
hat die Berufung der Beklagten, soweit sie gegen die Abweisung der Widerklage
gerichtet gewesen ist, sowie die Anschlussberufung, mit der die Klägerin ihr
Mieterhöhungsbegehren und den vom Amtsgericht abgewiesenen Teil der
Nebenkostennachforderung weiterverfolgt hat, zurückgewiesen. Mit der vom
Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgen die Beklagten ihren
Widerklageantrag weiter.
Das
Berufungsgericht hat zur Begründung der Abweisung der Widerklage im
Wesentlichen ausgeführt:
Es begründe
keinen Sachmangel, dass die - nach objektiven Kriterien ermittelte -
tatsächliche Wohnungsgröße von 144,50 qm gegenüber der Angabe im Mietvertrag
von ca. 180 qm erheblich abweiche. Denn die Parteien könnten vereinbaren, wie
sie eine im Mietvertrag angegebene Wohnfläche verstanden wissen wollten.
Insbesondere sei es ihnen unbenommen, nach dem Mietvertrag zu Wohnzwecken
vermietete Flächen bei der Wohnflächenermittlung unabhängig davon einzurechnen,
ob sie bei einer Flächenberechnung nach den Bestimmungen der Zweiten
Berechnungsverordnung (insgesamt) als Wohnraum anzusetzen seien oder nicht.
Eine derartige
Vereinbarung hätten die Parteien in § 1 des Mietvertrags getroffen, wonach
die Räume in allen drei Geschossen "als Wohnräume" vermietet worden
seien. Auch die Streichung des Zusatzes über die hälftige Anrechnung von
Balkon, Loggia und Terrasse spreche dafür, dass die Parteien maßgeblich auf die
Grundfläche der Räume hätten abstellen wollen. Zudem hätten die Beklagten die
Räume im Kellergeschoss auch als Wohnräume hergerichtet und genutzt.
II.
1. Ein
Grund für die Zulassung der Revision besteht nicht. Die vom Berufungsgericht
für die Zulassung der Revision gegebene Begründung, den Beklagten solle die
Überprüfung ermöglicht werden, ob die Kammer bei der Beurteilung der
Widerklageforderung die Ausführungen des Senats im Urteil vom 16. September
2009 (VIII ZR 275/08, NJW 2009, 3421) zutreffend auf den vorliegenden Fall
angewendet habe, füllt keinen Zulassungsgrund im Sinne des § 543
Abs. 2 Satz 1 ZPO aus. Die bloße Anwendung bereits geklärter
Grundsätze auf den Einzelfall verleiht der Sache keine grundsätzliche
Bedeutung. Ebenso wenig gebietet die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung
einer einheitlichen Rechtsprechung vorliegend die Zulassung der Revision.
2. Die
Revision hat auch keine Aussicht auf Erfolg. Das Berufungsgericht hat
Rückzahlungsansprüche aus § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB wegen
überzahlter Miete rechtsfehlerfrei verneint. Die von den Beklagten geleisteten
Mietzahlungen sind insgesamt mit Rechtsgrund erfolgt, weil der von ihnen
geltend gemachte Mangel einer zu geringen Wohnfläche nicht besteht und die
Miete deshalb nicht gemindert ist.
Allerdings ist
die Angabe der Wohnfläche im Mietvertrag nach der Rechtsprechung des Senats
regelmäßig nicht als unverbindliche Beschreibung, sondern als
Beschaffenheitsvereinbarung anzusehen, die bei einer Abweichung von mehr als 10
% zu einem Mangel der Mietsache führt (Senatsurteile vom 24. März 2004 - VIII
ZR 295/03, NJW 2004, 1947 unter II 2 a; vom 23. Mai 2007 - VIII ZR 138/06, NJW
2007, 2626 Rn. 13 f., 17; vom 16. September 2009 - VIII ZR 275/08, NJW 2009,
3421 Rn. 9). Dies gilt - anders als das Berufungsgericht meint - auch dann,
wenn die Angabe der Wohnfläche im Mietvertrag - wie hier - mit dem Zusatz
"circa" versehen ist (Senatsurteil vom 17. April 2019 - VIII ZR
33/18, NZM 2019, 536 Rn. 34).
Der Begriff der
Wohnfläche ist auslegungsbedürftig, denn er hat keinen feststehenden Inhalt,
und eine verbindliche Regelung zur Berechnung von Flächen bei preisfreiem
Wohnraum fehlt. Nach der Rechtsprechung des Senats können für die Auslegung des
Begriffs der Wohnfläche grundsätzlich auch beim frei finanzierten Wohnraum die
für den preisgebundenen Wohnraum geltenden Be-stimmungen herangezogen werden,
es sei denn, die Parteien haben dem Begriff der Wohnfläche im Einzelfall eine
abweichende Bedeutung beigemessen oder ein anderer Berechnungsmodus ist
ortsüblich oder nach der Art der Wohnung naheliegender (Senatsurteile vom 24.
März 2004 - VIII ZR 44/03, NJW 2004, 2230 unter II 1 b aa, cc; vom 23. Mai 2007
- VIII ZR 231/06, NJW 2007, 2624, Rn. 13; vom 16. September 2009 - VIII ZR
275/08, aaO Rn. 10; vom 17. April 2019 - VIII ZR 33/18, aaO Rn. 36). Nach der
Rechtsprechung des Senats kommt somit einer Vereinbarung der Parteien darüber,
welche Flächen in die Berechnung der Wohnfläche einzubeziehen sind, Vorrang zu.
Eine solche Vereinbarung liegt hier nach den rechtsfehlerfrei getroffenen
Feststellungen des Berufungsgerichts vor.
Das
Berufungsgericht hat den Mietvertrag dahin ausgelegt, dass die Parteien mit der
Formulierung, die Räume im Erd-, Zwischen- und Untergeschoss würden "zur
Benutzung als Wohnraum" vermietet, vereinbart haben, dass die Grundflächen
dieser - von den Beklagten auch tatsächlich als Wohnraum genutzten - Räume in
die Berechnung der im Mietvertrag vereinbarten Wohnfläche einfließen sollten.
Diese Auslegung kann als tatrichterliche Würdigung einer Individualvereinbarung
vom Revisionsgericht nur eingeschränkt daraufhin überprüft werden, ob
gesetzliche oder allgemein anerkannte Auslegungsregeln, die Denkgesetze oder
allgemeine Erfahrungssätze verletzt sind oder wesentlicher Auslegungsstoff
außer Acht gelassen worden ist oder die Auslegung auf mit der Revision gerügten
Verfahrensfehlern beruht (Senatsurteile vom 23. April 1997 - VIII ZR 212/96,
BGHZ 135, 269, 273; vom 16. September 2009 - VIII ZR 275/08, aaO Rn. 11; vom 6.
Dezember 2017 - VIII ZR 219/16, NJW-RR 2018, 822 Rn. 27).
Einen
derartigen Rechtsfehler legt die Revision nicht dar. Soweit sie geltend macht,
die Bezeichnung der Räume als Wohnraum habe lediglich der Abgrenzung zu einer -
hier nicht vorgenommenen - gewerblichen Vermietung gedient, setzt sie -
revisionsrechtlich unbehelflich - lediglich ihre eigene Würdigung an die Stelle
der Beurteilung des Berufungsgerichts, zeigt aber einen Rechtsfehler nicht auf.
Entsprechendes gilt für den weiteren Einwand der Revision, die Streichung der
hälftigen Anrechnung der Flächen von Balkon, Terrasse und Loggia könne
verschiedene Gründe haben und lasse eindeutige Rückschlüsse nicht zu.
Ohne Erfolg
rügt die Revision ferner, die Räume im Kellergeschoss seien wegen
unterdurchschnittlicher Beleuchtung nicht als Wohnraum genehmigungsfähig und
wegen einer daraus folgenden eingeschränkten Nutzbarkeit auch nur als
Gästezimmer genutzt, was lediglich einer Nutzung von 50 % entspreche und einer
Anrechnung der gesamten Grundfläche entgegenstehe. Die Revision verkennt, dass
sich aus einer öffentlich-rechtlichen Nutzungsbeschränkung mangels
Einschreitens der Behörde keine zur Minderung berechtigende Einschränkung der
Nutzbarkeit ergibt (Senatsurteil vom 16. September 2009 - VIII ZR 275/08, aaO
Rn. 6). Wie das Berufungsgericht zutreffend ausgeführt hat, ist es den
Mietvertragsparteien unbenommen, im Rahmen einer Wohnflächenvereinbarung auch
die Anrechnung von Flächen - wie hier solche mit unterdurchschnittlicher
Beleuchtung - vorzusehen, die etwa nach der II. Berechnungsverordnung oder der
Wohnflächenverordnung nicht oder nicht vollständig zu berücksichtigen sind.
Fehl geht
schließlich der weitere Einwand der Revision, das Berufungsgericht hätte bei
der Auslegung des Mietvertrags bezüglich der Wohnfläche berücksichtigen müssen,
dass die Klägerin das im vorliegenden Prozess mit der Klage verfolgte
Mieterhöhungsbegehren auf eine Wohnfläche von 177 qm gestützt habe. Die
Entscheidung des Berufungsgerichts, bei der Mieterhöhung auf die tatsächliche
Wohnfläche abzustellen, es den Beklagten aber zu verwehren, sich bei der Frage
des Mangels und der Mietminderung auf die tatsächliche Wohnfläche zu berufen,
sei widersprüchlich.
Die Revision
verkennt insoweit die grundlegenden Unterschiede zwischen einer für die Frage
des Sachmangels maßgeblichen Vereinbarung der Mietvertragsparteien über die Wohnfläche
einerseits und einer Mieterhöhung nach dem Vergleichsmietenverfahren
(§ 558 BGB) andererseits. Bei einer Beschaffenheitsvereinbarung über die
Wohnfläche bestimmen die Parteien, wie sie die Wohnfläche verstanden wissen
wollen und welche Flächen nach ihren Vorstellungen dahin einzurechnen sind. Bei
der Mieterhöhung nach § 558 BGB ist dagegen die nach objektiven Kriterien
ermittelte tatsächliche Wohnfläche der streitigen Wohnung maßgeblich. Etwaige
abweichende Vereinbarungen der Parteien über die Wohnfläche beziehungsweise
deren Berechnung sind insoweit gemäß § 558 Abs. 6 BGB unwirksam. Zu
Recht verweist die Revisionserwiderung insoweit auf die (neuere) Rechtsprechung
des Senats, wonach jede in einem Mietvertrag über die Wohnfläche enthaltene
Angabe für das Mieterhöhungsverfahren nach § 558 BGB ohne jede Bedeutung
und insofern vielmehr allein die tatsächliche Wohnfläche maßgeblich ist
(Senatsurteile vom 18. November 2015 - VIII ZR 266/14, BGHZ 208, 18 Rn. 10; vom
27. Februar 2019 - VIII ZR 255/17, NZM 2019, 334 Rn. 13).
Somit weist die
Auslegung des Berufungsgerichts, dass die Grundflächen des Untergeschosses nach
der Vereinbarung der Parteien im Mietvertrag bei der Wohnfläche miteinzurechnen
waren, einen Rechtsfehler nicht auf. Dass bei dieser Berechnung der geltend
gemachte Sachmangel einer erheblich zu geringen Wohnfläche nicht besteht, steht
zwischen den Parteien nicht in Streit.
3. Es besteht Gelegenheit zur Stellungnahme binnen drei Wochen ab Zustellung dieses Beschlusses.
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